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19.05.08 Export immer wichtiger für deutsche Wirtschaft VON: ERNST LEISTE
Köln (bfai) - Selbst wenn die deutsche Wirtschaft Gefahr läuft, in absehbarer Zukunft den bereits lieb gewonnen Titel des Exportweltmeisters an die VR China zu verlieren, sollte sie nicht in tiefe Depression verfallen.
Denn der Titel ist eher von ideeller Bedeutung. Viel wichtiger ist, dass die Ausfuhren immer mehr zu einer wahren Triebfeder der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland werden. Fast jeder zweite hier erwirtschaftete Euro wird durch Auslandsgeschäfte verdient, zudem schafft der Export immer mehr Arbeitsplätze und sichert damit den Standort Deutschland.
Die deutsche Wirtschaft gerät immer mehr in die Abhängigkeit von Auslandsgeschäften. So steuerten die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen 2007 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (DeStatis) "stolze" 47% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, oder anders ausgedrückt wird inzwischen fast jeder zweite in Deutschland erwirtschaftete Euro durch Exportaktivitäten verdient.
Interessant ist dabei vor allem die Dynamik der Entwicklung, denn die Exportquote legte seit 2005 um fast sechs Prozentpunkte zu, 1991 lag der Ausfuhranteil am BIP übrigens erst bei 26%.
So hat das "Thema Außenwirtschaft" für die deutsche Automobilindustrie, die über 70% der im Inland hergestellten Fahrzeuge exportiert und mehr als 2.000 Produktionsstätten im Ausland aufweist, höchste Bedeutung. Die Exportquote der chemischen Industrie in Deutschland erreichte 2006 nach Berechnungen des Fachverbandes VCI und DeStatis bereits 76,6% nach 68,6% im Vorjahr oder erst 46,6% im Jahr 1995.
Im Maschinenbau, dem mittelständisch geprägten "Kraftpaket" der deutschen Wirtschaft, werden etwa 70% des Geschäftes im Ausland abgewickelt. In einzelnen Sparten, so etwa bei Textilmaschinen oder Hütten- und Walzwerkseinrichtungen, erreichen die Exporte sogar mehr als 90% des Umsatzes.
Auch hier spricht die Dynamik der Entwicklung Bände. So erhöhte sich die Ausfuhrquote in der Sparte verfahrenstechnische Maschinen und Apparate binnen zehn Jahren von 51% (1997) auf 80% (2006), bei Bau- und Baustoffmaschinen stiegen die Exportquoten von 64 auf 78%, bei Bergbaumaschinen gar von 61auf 84%.
Bei den Unternehmen des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) erreichte der Anteil des Auslandsgeschäftes an den Gesamtumsätzen 2007 knapp 47%, im Jahr 2000 waren es vier Prozentpunkte weniger. In der Sparte Prozessautomation gehen "sage und schreibe" über 95% der Erzeugung in den Export.
Auch für die deutsche Elektromedizin wird das Auslandsgeschäft immer wichtiger: Lag die Exportquote der Branche im Jahr 2000 noch bei 71% des Umsatzes, erreichte sie 2007 bereits 81%.
Bis zum Jahr 2020 strebt die deutsche Erneuerbare-Energien-Branche eine durchschnittliche Exportquote von 80% an. Das wäre gegenüber 2007 eine glatte Verdoppelung. 2002 wurden in dieser zukunftsträchtigen Sparte erst 15% der Umsätze jenseits der Grenzen erzielt.
Aber auch Geschäftszweige, die lange Zeit auf den Inlandsmarkt gesetzt hatten, sind inzwischen auf den "Exportzug" aufgesprungen. So etwa die Möbelindustrie. Lag die Exportquote der Branche noch Mitte der 90er Jahre bei rund 15%, so dürfte sie 2007 die 40-%-Marke erreicht haben.
Der früher krisengeplagten deutschen Textil- und Bekleidungsindustrie ist es inzwischen gelungen, ihre Exportquote von 11% (1970) auf 42% im 1. Halbjahr 2007 zu erhöhen. Auch die klein- und mittelständisch geprägte deutsche Musikinstrumentenindustrie setzt über 60% ihrer Produkte im Ausland ab.
Für eine steigende Zahl deutscher Ingenieurbüros gewinnt der Export von Planungs- und Beratungsleistungen immer mehr an Bedeutung. Seit 2002 unterstützt die Bundesarchitektenkammer mit dem Netzwerk Architekturexport NAX grenzüberschreitend tätige Architekten auf dem Weg zu neuen Märkten.
Auch das Handwerk richtet seinen Blick zunehmend auf ausländische Märkte. Fast 50.000 Handwerksunternehmen (gut 5%) verkaufen Produkte oder Dienstleistungen ins Ausland, was einer Steigerung der Handwerksexporte innerhalb der letzten zehn Jahre um 70% entspricht.
Export als Jobmotor
Das Ausfuhrgeschäft ist zudem ein wahrer "Jobmotor". Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2006 bereits 8,9 Mio. Erwerbstätige mit Arbeitsort in Deutschland vom Export abhängig. Das waren fast 23% aller Erwerbstätigen. 1995 arbeiteten nur etwa 15% der Erwerbstätigen für den Export.
Der Standort Deutschland profitiert vom zunehmenden Auslandsengagement der deutschen Unternehmen. Das geht aus der Umfrage "Going International 2007" des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor. Wie die Erhebung zeigt, hat die Exportwirtschaft seit Juli 2006 in Deutschland zusätzlich rund 200.000 Arbeitsplätze geschaffen.
Allein für den deutschen Maschinenbau meldete der VDMA für 2007 insgesamt 50.000 neue Jobs, im laufenden Jahr sollen nochmal 30.000 Arbeitsplätze hinzukommen. Der ZVEI konnte bei seinen Mitgliedsfirmen im letzten Jahr 23.000 neue Beschäftigungsverhältnisse verbuchen. Bei der starken Exportorientierung beider Verbände dürften somit viele neue Arbeitsplätze unmittelbar auf gute Auslandsgeschäfte zurückgehen.
Dabei sind es vielfach mittelständische Betriebe, die - durch Neuengagements im Ausland beflügelt - Personal im Inland einstellen und damit nachhaltig dazu beitragen, den Standort Deutschland zu stützen. Zwar finden diese Maßnahmen in den Medien viel weniger Beachtung als etwa Großinvestitionen auf der grünen Wiese, doch sind sie zusammen genommen von immenser Bedeutung für die deutsche Wirtschaft.
Titel des "Exportweltmeisters" hängt stark von statistischen Erfassungsmethoden ab
Dagegen ist der in den Medien stark beachtete Titel des "Exportweltmeisters", mit dem sich Deutschland seit inzwischen fünf Jahren schmücken darf, zu einem nicht unerheblichen Teil den statistischen Erfassungsmethoden geschuldet. Würden nämlich bei der Kür des Exportweltmeisters Waren und Dienstleistungen erfasst, ginge die "Ausfuhrkrone" an die USA. Und würde die Rangfolge nach der Kennziffer "Größte Exportnation pro Kopf der Bevölkerung" berechnet, hätte Singapur die Nase vorn.
Von großer Bedeutung ist ferner, dass der Exportweltmeister (der Güterausfuhr) in US-Dollar ermittelt wird. Da der Euro im Verhältnis zum US-Dollar seit seinem Tiefststand 2001 inzwischen um sage und schreibe 53% im Jahresdurchschnitt 2007 gestiegen ist und der Greenback weiterhin "schwächelt" , wird die Kür des Exportweltmeisters immer mehr zur Rechenspielerei.
Um das Wechselkursproblem noch ein wenig zu verdeutlichen, sei darauf hingewiesen, dass die deutschen Exporte 2007 in Euro fakturiert um 8,5% auf 969 Mrd. Euro, in US-Dollar berechnet jedoch um 18,4% auf 1.329 Mrd. $ gestiegen sind. Die Währungsentwicklung trug damit wesentlich zur Verteidigung der Exportweltmeistertitels bei.
Noch krasser fällt der Vergleich bei den deutschen Exporten in die USA aus. In Euro fakturiert sanken die Lieferungen über den Atlantik gegenüber dem Vorjahr nämlich um 5,9% auf 73 Mrd. Euro, was deutschen Exporteuren auch angesichts der anhaltenden Finanzkrise in den USA erhebliche Sorgen bereitet. In Dollar berechnet ergab sich zu 2006 jedoch ein um 2,7% höherer Wert von 101 Mrd. $.
(Quelle: bfai, Bundesagentur für Außenwirtschaft)
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