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03.01.08 „Global denken, lokal handeln“ - ein Interview mit Arndt G. Kirchhoff VON: EDITH BACHMAYER
Mittlerweile ist die Unternehmensgruppe in den Segmenten Automotive, Umwelttechnik und Werkzeuge weltweit aktiv. Arndt Kirchhoff, Vorsitzender der Kirchhoff Automotive GmbH & Co.KG, hat sich das Motto „global denken, lokal handeln“ auch für sein Unternehmen zu eigen gemacht. Die im sauerländischen Attendorn gelegene Firma produziert mit 1.350 Mitarbeitern Metallstrukturen für die Automobilindustrie - und das bereits seit mehr als 100 Jahren. Zu den Kernkompetenzen zählen die Umformtechnik sowie die Füge- und Oberflächentechnologie. Anfang der 90er Jahre hat das mittelständische Unternehmen den Schritt in die internationalen Märkte gewagt. Heute betreibt das Unternehmen Produktionsstandorte in Irland, Polen, Portugal, Spanien, Ungarn, Brasilien und Mexiko. Der Bereich Forschung und Entwicklung sowie das Projektmanagement und das Marketing befinden sich jedoch nach wie vor in der deutschen Zentrale. Auch beim Sourcing orientiert sich der Automobilzulieferer über die Ländergrenzen hinweg. Dass das Unternehmen die Internationalisierungsstrategie erfolgreich umgesetzt hat, zeigt allein der Blick in den Geschäftsbericht: Im Jahr 2004 konnte Kirchhoff Automotive seinen Umsatz um 15% auf 290 Mio EUR steigern. Für 2005 werden 350 Mio EUR erwartet. Der Gesamtumsatz der Gruppe lag im vergangenen Jahr bei 485 Mio EUR.
Arndt Kirchhoff ist Dipl. Wirtschaftsingenieur und leitet Kirchhoff Automotive seit 1990. Der 50-jährige begleitet seither den Internationalisierungsprozess des Unternehmens. Herr Kirchhoff, die Kirchhoff Automotive ist seit 1992 im Ausland aktiv. War es ein notwendiger Schritt im Zuge zunehmender Internationalisierung der Wettbewerber oder war es eine Vorwärtsstrategie zur Erschließung neuer Marktchancen?
Welches sind die Erfolgsfaktoren und Stärken des Unternehmens? Sicher sind hier die Stärken von mittelständischen Familienunternehmen zu nennen, wie eine lange Tradition, Flexibilität, langfristiges Denken, Mitarbeiter- und Standortbindung. Darüber hinaus ist die 100%-ige Fokussierung auf die Autoindustrie, insbesondere die OEMs und die Konzentration auf eine Technologie - die Blechumformtechnik - von großer Bedeutung. Mit dieser Technologie wollen wir führend sein, in allen auf diese Weise hergestellten Komponenten aus Body und Chassis, in allen Materialgüten, von Aluminium und Stahl, bis hin zu ultrahochfesten Stählen in allen umformtechnischen Verfahren, mit den bis heute bekannten Fügeverfahren und der entsprechenden Oberflächentechnik. Es gibt mittlerweile kein in unserer Technologie gefertigtes Teil - egal ob klein oder groß - was wir nicht an irgendeinen Hersteller bzw. Fahrzeug liefern, bis hin zu fast kompletten Fahrzeugstrukturen. Dies ist abhängig von der Fertigungstiefe und der Strategie unserer Kunden. Welche Chancen hat Kirchhoff richtig erkannt? Wo liegen die Herausforderungen bei der Erschließung neuer Märkte für die Zukunft? Die Herausforderungen liegen bei uns weniger auf der Kapitalseite, sondern vielmehr auf der Seite unserer Mitarbeiterentwicklung. Die Expansion und das profitable Wachstum, insbesondere in neuen Märkten, gelingt nur mit ausreichend qualifizierten Mitarbeitern. Diese zu finden und aufzubauen, ist die größte Herausforderung, wenn man berücksichtigt, dass wir uns in vielen verschiedenen Kulturen bewegen müssen. Ein Grundprinzip unserer Gruppe ist es, dass wir nicht mit Expatriates arbeiten, sondern grundsätzlich mit inländischen Mitarbeitern bis hin zum Top-Management und lediglich Unterstützungsleistungen aus Deutschland anbieten. Wie geht Kirchhoff mit dem steigenden Druck der OEMs um? Wir bilden eine Leistungsgemeinschaft mit unseren Kunden, den OEMs, und sind entsprechend interessiert, gemeinsam ein qualitativ hochwertiges, technisch ausgereiftes, innovatives und auch kostengünstiges Produkt anzubieten, was den Markterfolg sichert. In dieser Leistungsgemeinschaft bedienen wir uns der Instrumente kontinuierliche Verbesserung, Entfeinerung, Substitution von Werkstoffen und Verfahren, Prozesssicherung, Entwicklungen und Innovationen, mit dem Ziel, kostengünstigere und wirtschaftlichere Produkte anbieten zu können. Der Begriff „Druck“ ist hierbei relativ. Es ist eher eine Frage des gemeinsamen Umgangs und einer gemeinsamen Verpflichtung erfolgreich Geschäfte zu betreiben. Wo liegen die Stärken der deutschen Zulieferer? Die deutschen Zulieferer haben sicherlich hoch ausgebildete Belegschaften und sind sehr innovativ, was nicht zuletzt die Ausgaben in Forschung und Entwicklung der gesamten deutschen Automobilindustrie mit fast 1/3 sämtlicher deutschen Entwicklungsausgaben belegen. Es ist dabei natürlich eine ständige Herausforderung für die deutschen Zulieferer um so viel besser zu sein, wie sie standortgebunden leider teurer sind. Da hilft natürlich die Einbindung des Auslandes enorm, und mittlerweile werden ja 43% der Wertschöpfung an deutschen Autos im Ausland erstellt. Hierbei gibt es insbesondere bei den deutschen Familienunternehmen ziemlich viele - nicht immer so bekannte -„Leuchttürme“, die weltweit Spitzentechnologien den OEMs zur Verfügung stellen. Was raten Sie mittelständischen Unternehmen bei ihren ersten Schritten ins Ausland? Man sollte zunächst genau wissen, was die Kunden im Ausland wünschen, besser noch, schon Aufträge vereinbart haben, bevor man mit einer Standortanalyse ins Ausland geht. Dabei sind insbesondere die Handelskammern, Botschaften, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte und weitere Berater hilfreich. Zudem gibt es Leitfäden und sehr nützliche Informationen aus dem Bundeswirtschaftsministerium bzw. Außenministerium, auch in Form von Checklisten, damit man nichts vergisst. Darüber hinaus ist es sehr wichtig, sich in einer Gegend anzusiedeln, wo man auf ein entsprechendes Facharbeiterpotential trifft, dass möglichst in den Basistechnologien, die man aufbauen will, ausgebildet ist. Wie wirken sich die derzeit hohen Rohstoffpreise auf ihr internationales Geschäft aus? Die hohen Rohstoffpreise stellen ein Problem für alle Zulieferer dar und im übrigen auch für die gesamte Branche. Durch das außerordentlich gute Weltwirtschaftswachstum sind die Kapazitäten, insbesondere bei stahl- und ölabhängigen Produkten, nicht schnell genug nachgewachsen. Dies führt auf allen Seiten zu Preissteigerungen, die wir als Zulieferer in der Regel fair mit unseren Kunden verhandelt haben. Darüber hinaus haben die Fachverbände eine vernünftige Moderation betrieben, die letztendlich verhindert hat, dass es in der gesamten Branche zu Unterbrechungen in der Lieferkette kam und infolge dessen zu Stillständen in den Autowerken oder auch zu einer überdurchschnittlichen Zahl an Konkursen. Trotz hohem Internationalisierungsgrad hat Kirchhoff in den vergangenen vier Jahren zwei Drittel seiner Gesamtinvestitionen in den Standort Deutschland investiert. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen der Standorterhaltung in Deutschland einerseits und der fortschreitenden Internationalisierung andererseits? Können andere Unternehmen in Deutschland daraus etwas lernen? Der Investitionsschwerpunkt liegt deshalb in Deutschland, weil wir hier natürlich nur mit den modernsten Technologien und Fertigungsprozessen eine Chance haben. Die Fertigung in Deutschland muss so kapitalintensiv sein, denn Sie wissen ja, während ein Prozess in Deutschland von einem Mitarbeiter bedient werden kann, können in Polen dafür mindestens sieben Personen arbeiten. Deswegen ist die Prozessauslegung so durchzuführen, dass aus der Kombination von Personaleinsatz, Maschinenverfügbarkeit, Technologiewahl und eben Investitionssumme sich am Ende ein wettbewerbsfähiger Teilepreis ergibt. Jedes Unternehmen in Deutschland kann solche Rechnungen anstellen. Zum Schluss dürfen dann noch die Logistikkosten nicht vergessen werden. Hier besteht vor allem auf der Herstellerseite ein enormes Einsparpotential, die ja in der Regel Frachtträger sind. <- Zurück zu: Aktuelles |











